Wie kannst du Werbetexte mit KI schreiben, die wirklich verkaufen?
Kurz gesagt
Werbetexte, die verkaufen, schreibst du mit KI nur, wenn die KI das richtige Material bekommt. Eine Zeile Prompt ist zu wenig, auch wenn der Entwurf in Sekunden dasteht. Die KI braucht ein individuelles Briefing: Wer liest, was der Leser schon weiß (die Bewusstseinsstufe), was du anbietest, womit du es belegst, welche Einwände kommen und welcher eine Gedanke den Text trägt (die Big Idea). In 7 Schritten entsteht daraus ein Entwurf, der zu deinem Produkt passt. Am besten schreibt die KI ihn Abschnitt für Abschnitt. Fakten, Werberecht und Klang prüfst du am Ende noch einmal selbst.
Werbetexte mit KI schreiben kann heute jeder. Ein Satz ins Eingabefeld, und ChatGPT, Claude oder Gemini liefern in Sekunden ein Mailing, in wenigen Minuten eine ganze Landingpage, also die Verkaufsseite, auf die deine Werbung führt. Ob der Text dann auch verkauft, steht auf einem anderen Blatt.
Ein Werbetext ist der sprachliche Teil eines Werbemittels: Überschrift (Headline), Fließtext, Slogan. Im Direct Response (also in Werbung, die sofort eine messbare Reaktion auslösen soll) zählt am Ende eine Zahl: wie viele Leser bestellt oder geklickt haben. Dafür muss der Text zum Leser passen und zum Angebot. Und er muss bei dem ansetzen, was der Leser schon weiß.
Ich schreibe seit über 20 Jahren Werbetexte, vor allem lange Mailings und Landingpages für Abo-Produkte und Fachverlage. Heute texte ich auch mithilfe von KI. In 7 Schritten zeige ich dir, wie aus einer Zeile Prompt (der Anweisung an die KI) ein Briefing wird und aus dem Briefing ein Entwurf, mit dem du arbeiten kannst.
Was kann KI beim Werbetexten leisten, und was nicht?
KI ist schnell, wo Texter langsam sind. 12 Headlines in 12 Richtungen, 5 Varianten für den Einstieg, ein Absatz gekürzt auf 300 Zeichen, eine Gliederung für ein 4-seitiges Mailing: Das dauert Sekunden.
Was KI nicht ohne weiteres kann: dein Produkt kennen. Sie weiß nicht, was dein Abo kostet, welche Prämie es gibt, was Kunden im Kundenservice fragen und welche Zahl du belegen kannst. Fehlt ihr etwas davon, füllt sie die Lücke selbst.
Dass die KI Lücken füllt, ist kein Zufall. Ein Forscherteam um Adam Tauman Kalai von OpenAI beschreibt in der Arbeit „Why Language Models Hallucinate“ (September 2025), dass Sprachmodelle bei Unsicherheit manchmal raten, statt sie zuzugeben. Der Grund laut der Arbeit: Training und Bewertung belohnen das Raten. Heraus kommen plausible, aber falsche Aussagen, sogenannte Halluzinationen. Im Werbetext heißt das: eine erfundene Zahl, eine Studie, die es nicht gibt, ein Kunde, der nie etwas gesagt hat.
Deine Leser merken oft nicht, woher ein Text stammt. In einer repräsentativen Studie von ARD MEDIA (Mai 2026) sagen 63 % der Befragten, KI-generierte Werbung sei schwer von klassischer Werbung zu unterscheiden. Laut derselben Studie kann KI eine Marke moderner wirken lassen. Die Kehrseite: Die Marke riskiert, weniger vertrauenswürdig und glaubwürdig zu wirken.
Meine Meinung: KI schreibt den Entwurf. Ob und wie er rausgeht, entscheidest du.
Warum reicht ein Prompt nicht, um gute Werbetexte mit KI zu schreiben?
Ein Prompt ist die Anweisung, die du der KI gibst. Ein Briefing ist das Material, mit dem ein Texter arbeitet: Produkt, Leser, Angebot, Beweise, Ziel und Grenzen. Wer nur promptet, verlangt das Ergebnis eines Briefings, ohne das Material dafür zu liefern.
Anthropic, der Hersteller von Claude, rät in seiner Anleitung zum Prompten ziemlich direkt, dem Modell mehr Hintergrund mitzugeben. Stell dir Claude als brillanten, aber neuen Mitarbeiter vor, dem der Kontext zu deinen Normen und Abläufen fehlt, heißt es dort sinngemäß. Je genauer du erklärst, was du willst, desto besser das Ergebnis. Und wenn du dazusagst, warum eine Anweisung wichtig ist, kann das Modell gezielter antworten.
Ein Beispiel mit einem erfundenen Produkt: „Der Wabenbrief“, ein Monatsheft für Hobby-Imker im Abo. Name und alle Angaben sind ausgedacht. Zuerst der Prompt in einer Zeile:
Schreib ein Mailing für den Wabenbrief, ein Magazin für Imker.
Die KI hat nichts außer einem Namen und dem Wort Imker. Also greift sie zum Naheliegenden, und schnell steht ein Satz wie „Entdecke die faszinierende Welt der Bienen“ im Text. Der Satz ist sauberes Deutsch. Er verkauft nur nichts, weil er auf jedes Imker-Heft passt.
Jetzt derselbe Auftrag mit einem kurzen Auszug aus dem Briefing:
Leser: Hobby-Imker mit 2 bis 5 Völkern, seit 1 bis 3 Jahren dabei. Sie ahnen, dass sie Fehler machen, wissen aber nicht, welche. Angebot: 3 Ausgaben zum Kennenlernen, danach 12 Ausgaben im Jahr. Einwand: „Steht doch alles kostenlos im Netz.“ Ziel: Klick auf die Bestellseite. Schreib per du und höchstens 2.500 Zeichen, weil die Mail auf dem Handy gelesen wird.
Mit diesem Auszug hat die KI einen Leser, eine Sorge, ein Angebot und einen Einwand, auf den sie antworten kann. Der Text wird konkret, weil das Material konkret ist. Die Regel dahinter: Generischer Text kommt aus fehlendem Material, nicht aus einer schlechten KI.
Wie schreibst du Werbetexte mit KI Schritt für Schritt?
Die 7 Schritte folgen der Reihenfolge, in der ein Texter auch ohne KI arbeitet. Die ersten 4 erledigst du, bevor die KI eine Zeile schreibt.
Schritt 1: Material sammeln, bevor du etwas eintippst
Leg alles bereit, was es zum Produkt gibt: Produktseite, Preis und Bedingungen, Lieferumfang, Garantie, Prämie, echte Kundenstimmen mit Namen und Quelle, die Fragen aus dem Kundenservice. Beim Wabenbrief wären das etwa die Inhaltsverzeichnisse der letzten 3 Ausgaben und die Fragen, die Leser per Mail schicken.
Hinein kommt nur, was du belegen kannst. Und sag der KI ausdrücklich, dass sie Lücken benennen soll, statt sie zu füllen: „Fehlt dir eine Angabe, schreib [FEHLT] und erfinde nichts.“
Schritt 2: Leser und Bewusstseinsstufe festlegen
Vor dem ersten Wort steht die Frage: Wie viel weiß dein Leser schon? Eugene Schwartz hat dafür in seinem Buch „Breakthrough Advertising“ (1966) 5 Bewusstseinsstufen beschrieben. Sie reichen von „kennt sein Problem noch nicht“ bis „ist kaufbereit, es fehlt nur der Anlass“.
Aus der Bewusstseinsstufe folgt, womit der Text anfängt und wie lang er wird. Wer sein Problem nicht kennt, braucht erst eine Geschichte. Wer kaufbereit ist, will sofort das Angebot sehen. Woran du die Stufe erkennst, erklärt die Anleitung zu den 5 Bewusstseinsstufen nach Eugene Schwartz.
Getrennt von der Bewusstseinsstufe legst du die Beziehung zum Absender fest: kalt (kennt dich nicht), warm (kennt dich) oder heiß (hat schon Interesse gezeigt). Eine Mail an Leute, die dich nicht kennen, muss anders anfangen als eine an deine Bestandskunden, auch wenn beide dasselbe Abo bewerben.
Schritt 3: Angebot, Beweise und Einwände ins Briefing schreiben
Das Angebot gehört vollständig ins Briefing: Was erhält der Leser, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen? Eine Frist solltest du nur nennen, wenn sie tatsächlich besteht. Eine erfundene oder objektiv falsche zeitliche Begrenzung kann gegenüber Verbrauchern nach Nummer 7 der Schwarzen Liste im Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG unzulässig sein. Voraussetzung dafür ist, dass sie den Eindruck erweckt, das Angebot sei nur sehr kurze Zeit verfügbar, und dadurch zu einer sofortigen Entscheidung drängt. Was das Werberecht sonst noch verlangt, steht in der Anleitung Werberecht: worauf du beim Texten achten musst.
Beweise sind Zahlen, Testergebnisse und Kundenstimmen, jeweils mit Quelle. Die KI kann einen Beweis gut in Szene setzen. Einen erfinden sollte sie nicht.
Ins Briefing gehören auch die 3 wahrscheinlichsten Gründe, warum ein Leser nicht bestellt: seine Einwände. Beim Wabenbrief etwa: „Steht doch alles im Netz.“ Oder: „Ich habe schon ein Buch.“ Gib der KI den Auftrag, jeden Einwand im Text zu beantworten, bevor der Leser ihn ausspricht.
Schritt 4: Eine Big Idea wählen, bevor der Text entsteht
Die Big Idea ist der eine Gedanke, der den ganzen Text trägt. Sie ist keine Headline. Die Headline ist ein Satz, die Big Idea der rote Faden, aus dem Headline, Einstieg und Argumente folgen.
Lass dir von der KI 2 oder 3 Varianten entwickeln und entscheide dich für eine. Für den Wabenbrief könnten das sein:
- Der erfahrene Imker, den du jeden Monat fragen kannst: das Heft als Mentor im Briefkasten.
- Die teuren Fehler passieren leise: das Heft als Frühwarnung, bevor ein Volk verloren geht.
Leg dich auf eine Big Idea fest. Ein Text mit 2 Ideen hat am Ende keine.
Schritt 5: Textart, Länge und Zeichenlimit vorgeben
Jede Textart hat eine andere Aufgabe. Die Landingpage entfaltet die Idee und beantwortet jeden Einwand. Ein Mailing, das auf die Landingpage führt, soll vor allem den Klick auslösen. Eine Anzeige trägt nur den Kern der Idee.
Die Länge gibst du der KI als Zahl vor, am besten in Zeichen, und zwar die Zahl, die dein Kanal verlangt. „Kurz“ versteht jede KI anders. „Höchstens 1.200 Zeichen“ ist eindeutig. Nachzählen solltest du trotzdem.
Schritt 6: Gezielt nachschärfen
Wenn du unzufrieden mit dem Text bist, den die KI dir ausgibt, dann verlang nicht alles auf einmal. Lass zuerst 12 Headlines und 3 Einstiege schreiben und wähl aus. Danach entsteht der Rest Abschnitt für Abschnitt: Nutzen, Beweise, Einwände, Angebot. Bei einer langen Landingpage entscheidest du mit dieser Reihenfolge darüber, ob du den Text steuerst oder die KI. Letzteres muss nicht unbedingt schlecht sein, wie copywriting-ki zeigt.
Ob du nachschärfen musst, musst du in jedem Fall überprüfen. Dabei änderst du über die KI nur einzelne Stellen. Sonst riskierst du, dass die KI auch umschreibt, was schon gut war. Gib jeder Änderung einen Grund: „Kürz den Einstieg auf 3 Sätze, weil der Leser auf dem Handy liest.“ Aus der Begründung kann die KI ableiten, worauf es dir ankommt, und das auch auf andere Stellen übertragen.
Wird ein Chat nach vielen Runden zäh, öffne einen neuen. Briefing und beste Fassung hineinkopieren, weiter.
Schritt 7: Fakten, Werberecht und Klang prüfen
Prüfe einen KI-Werbetext vor der Veröffentlichung in 3 Durchgängen.
Fakten: Gleiche jede Zahl, jedes Zitat und jede Studie mit der Originalquelle ab. Was nicht aus deinem Material stammt, belegst du oder streichst es. Alternativ fragst du die KI, zum Beispiel zu einer bestimmten Zahl, woher sie sie hat oder ob sie sie erfunden hat. Auf solche Nachfragen bekommst du eine ehrliche Antwort.
Werberecht: § 5 UWG verbietet irreführende geschäftliche Handlungen. Das betrifft ausdrücklich auch wesentliche Produkteigenschaften, Preise, die Berechnung des Preises, besondere Preisvorteile sowie die Bedingungen der Lieferung oder Leistung. Prüfe deshalb Preise, Rabatte, Fristen, Garantien, Verfügbarkeitsangaben, Superlative wie „die Nr. 1“ und jede Kundenstimme. Bei Preisreduzierungen ist außerdem § 5 Abs. 5 UWG relevant.
Dass eine KI den Satz formuliert hat, entlastet dich nicht. Für die veröffentlichte Kommunikation bist du beziehungsweise dein Unternehmen verantwortlich. Das UWG gilt unabhängig davon, ob der Text von einem Menschen oder einer KI stammt. Zusätzlich können je nach Einsatz die Transparenzpflichten der EU-KI-Verordnung greifen. Darauf weist auch die Wettbewerbszentrale hin.
Klang: Lies den Text laut. Was du so keinem Kunden am Telefon sagen würdest, fliegt raus. Das trifft vor allem Floskeln wie „faszinierende Welt“ oder „mehr als nur ein Magazin“. Woran Leser KI-Texte erkennen und wie du einen Entwurf menschlicher machst, zeigt der Beitrag KI-Texte menschlicher machen.
Wie sieht ein gutes Briefing für die KI aus?
Ein Briefing für die KI hat dieselben Felder wie ein Briefing für einen Texter. Kopier die Liste, füll sie für dein Produkt aus und gib sie der KI vor dem ersten Auftrag mit. Hier in Kurzform ausgefüllt für den erfundenen Wabenbrief:
- Produkt: Der Wabenbrief, Monatsheft für Hobby-Imker, 12 Ausgaben im Jahr, gedruckt und als PDF.
- Leser: Hobby-Imker mit 2 bis 5 Völkern, seit 1 bis 3 Jahren dabei.
- Bewusstseinsstufe: 2 oder 3. Sie kennen ihr Problem (Unsicherheit, was wann zu tun ist). Manche kennen schon Lösungswege wie Foren oder Bücher, aber keinen, der dauerhaft hilft.
- Beziehung zum Absender: warm. Sie lesen den kostenlosen Newsletter, haben aber noch kein Abo.
- Angebot: 3 Ausgaben für 5 €, danach 6,50 € je Ausgabe, jederzeit kündbar. Prämie: die Checkliste „Das Bienenjahr auf 1 Seite“ als PDF.
- Beweise: Inhaltsverzeichnisse der letzten 3 Ausgaben, 3 Leserbriefe mit Namen und schriftlicher Freigabe.
- Einwände: „Steht doch alles im Netz.“ „Ich habe schon ein Buch.“ „Ich komme eh nicht zum Lesen.“
- Big Idea: Der erfahrene Imker, den du jeden Monat fragen kannst.
- Textart und Länge: Mailing per du, höchstens 2.500 Zeichen, Ziel ist der Klick auf die Bestellseite.
- Tabus: keine erfundenen Zahlen, keine Heilversprechen zu Honig, keine Angstmache mit dem Bienensterben.
Eine Zeile am Ende lohnt sich immer: „Wenn dir eine Angabe fehlt, frag nach, bevor du schreibst.“
Welche Fehler machen KI-Werbetexte schwach?
Diese 6 Fehler machen einen KI-Werbetext schwach. Jeden davon kannst du vermeiden:
- Alles auf einmal verlangen. Eine ganze Landingpage in einem Auftrag ergibt einen Text, den du nur noch als Ganzes annehmen oder verwerfen kannst. Mit einem ausführlichen Briefing und einer hervorragenden Big Idea kann das funktionieren. Ohne wird es schwierig. Probiere es aus.
- Kein konkreter Leser. „Alle, die sich für Bienen interessieren“ ist keine Zielgruppe.
- Superlative ohne Beleg. „Das beste Imker-Heft Deutschlands“ musst du belegen können, sonst riskierst du eine Abmahnung wegen Irreführung.
- Erfundene Dringlichkeit. Ein „nur noch heute“ ohne echtes Ende ist gegenüber Verbrauchern unzulässig und kostet Vertrauen.
- Ungeprüfte Zahlen. Jede Zahl, die nicht aus deinem Material stammt, ist verdächtig, bis du die Quelle gefunden hast.
- Endlos im selben Chat überarbeiten. Nach vielen Runden stehen alte und neue Anweisungen nebeneinander im Verlauf, und es ist nicht mehr eindeutig, welche gilt.
Reicht ein allgemeiner Chatbot für Werbetexte, oder brauchst du ein Spezialwerkzeug?
Um Werbetexte mit KI zu schreiben, reicht am Anfang ein allgemeiner Chatbot. Mit einem guten Briefing liefern ChatGPT, Claude und Gemini brauchbare Entwürfe. Die Arbeit steckt im Briefing und darin, es bei jedem neuen Text wieder mitzugeben.
Ein Spezialwerkzeug lohnt sich, wenn du oft schreibst und Briefing, Stil und Zeichenlimits nicht jedes Mal neu erklären willst. In copywriting-ki, das ich selbst gebaut habe, erstellt der Briefing-Agent eine umfangreiche Recherche fürs Briefing aus der URL einer Produktseite rund dem mitgelieferten Material, mit Zielgruppe, Copywriting-Stil und Big Idea. Wie das Ergebnis aussieht, zeigen 3 Kampagnen als unveränderte Originaltexte, entstanden aus je 3 Zeilen Eingabe.
Häufige Fragen zu Werbetexten mit KI
Kann ChatGPT oder Claude gute Werbetexte schreiben?
Ja, wenn das Material stimmt: ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic und Gemini von Google schreiben mit einem guten Briefing brauchbare Entwürfe für Mailings, Anzeigen und Landingpages. Mit einer Zeile Prompt bekommst du dagegen einen Text, der zu jedem Produkt passt. Fakten und Werberecht prüfst du in jedem Fall selbst. Auch der letzte Schliff bleibt bei dir.
Muss ich einen mit KI geschriebenen Werbetext kennzeichnen?
Mit KI geschriebene Werbetexte dürften „höchstens im Ausnahmefall“ kennzeichnungspflichtig sein, schreibt die Wettbewerbszentrale in ihrem Leitfaden vom Februar 2026. Der Grund: Die KI-Verordnung der EU verlangt den sichtbaren Hinweis bei Texten nur, wenn sie veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Selbst dann entfällt er, wenn ein Mensch den Text geprüft hat und jemand die redaktionelle Verantwortung trägt. Genauer hinsehen solltest du, wenn dein Text wie ein Ratgeber über Gesundheit, Steuern oder Geldanlage informiert. Für KI-Bilder gelten andere Regeln, beides erklärt die Anleitung, wann KI-Texte und KI-Bilder gekennzeichnet werden müssen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Prompt und einem Briefing?
Ein Prompt ist die Anweisung, die du der KI gibst, zum Beispiel „Schreib ein Mailing“. Ein Briefing ist das Material dahinter: Produkt, Leser, Bewusstseinsstufe, Angebot, Beweise, Einwände, Big Idea, Länge und Tabus. Der Prompt sagt der KI, was sie tun soll, das Briefing, womit. Anthropic empfiehlt dazu einen einfachen Test: Zeig deinen Prompt einem Kollegen, der die Aufgabe nicht kennt. Wäre er verwirrt, ist es Claude auch.
Wie verhindere ich, dass die KI Zahlen oder Kundenstimmen erfindet?
Ganz ausschließen kannst du erfundene Zahlen und Kundenstimmen nicht, weil Sprachmodelle bei Unsicherheit manchmal raten. Gib der KI deshalb nur belegtes Material und schreib dazu: „Fehlt dir eine Angabe, schreib [FEHLT] und erfinde nichts.“ Danach gleichst du jede Zahl, jede Studie und jede Kundenstimme mit deiner Quelle ab. Eine erfundene Kundenstimme ist irreführende Werbung und kann abgemahnt werden.
Kann KI auch lange Mailings und Landingpages schreiben?
Ja, aktuelle KI-Modelle schreiben auch lange Landingpages und mehrseitige Mailings. Damit der Text über die ganze Länge bei einer Idee bleibt, braucht die KI ein vollständiges Briefing mit einer festgelegten Big Idea. Mit den normalen Tools ChatGPT, Claude und Gemini schreibst du am besten in Abschnitten: erst Headline und Einstieg, dann Nutzen, Beweise, Einwände und Angebot. So prüfst du jeden Teil, bevor der nächste darauf aufbaut. Du kannst aber einfach ausprobieren, was besser funktioniert.
Womit fange ich an, wenn ich zum ersten Mal Werbetexte mit KI schreibe?
Fang mit einem Produkt an, das du gut kennst, und mit einem kurzen Text, etwa einem Mailing. Füll zuerst die Briefing-Vorlage aus diesem Beitrag so ausführlich wie möglich aus, dann lass dir z. B. 5 Big Ideas formulieren und wähl die beste aus. Lass dir dann 12 Headlines schreiben und wähl hier auch wieder die beste. Danach entsteht der Text Abschnitt für Abschnitt. Leg das Ergebnis neben einen Text, der bei dir schon funktioniert hat: So siehst du, wo dein Briefing noch Lücken hat.
Fazit
Werbetexte mit KI schreiben heißt vor allem: erst Material liefern, dann Text verlangen. Leser, Bewusstseinsstufe, Angebot, Beweise, Einwände und eine Big Idea machen aus einem Allerweltstext einen Entwurf, der zu deinem Produkt passt. Schreib in Abschnitten und gib jeder Änderung einen Grund. Vor der Veröffentlichung prüfst du jede Zahl und jede Aussage, denn verantwortlich bist du, nicht die KI.
Quellen
- Anthropic (o. D.): Prompting best practices
- Adam Tauman Kalai, Ofir Nachum, Santosh S. Vempala, Edwin Zhang (4. September 2025): Why Language Models Hallucinate
- Wettbewerbszentrale e. V. (4. Februar 2026): Kennzeichnung KI-generierter Inhalte. Wenn KI die Werbung macht: Was Sie als Unternehmen wissen müssen
- ARD MEDIA (26. Mai 2026): ARD MEDIA Studie zur Wahrnehmung von KI in Programm und Werbung: Nutzung etabliert sich schneller als Vertrauen
- Wikipedia (14. Februar 2026): Werbetext
- Gesetze im Internet (o. D.): Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 5 Irreführende geschäftliche Handlungen
- Gesetze im Internet (o. D.): Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Anhang (zu § 3 Absatz 3)